Wie kocht man nachhaltig?

Wie kocht man nachhaltig?
23. Juli 2019 Christopher Detke

Das wollten inTrick 17 Kochkurssgesamt acht Teilnehmer*innen beim Kochkurs der KLJB Augsburg wissen. Zu viele Köch*innen verderben den Brei? Keineswegs. Unter dem Motto ‚Kein Hunger‘, das zugleich die Nummer 2 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele ist, wollten die Teilnehmer*innen möglichst nachhaltig etwas möglichst Essbares zaubern. Doch damit nicht genug, denn die Zutaten mussten die Köch*innen sich erstmal verdienen. Die Vorsitzenden der KLJB an der Diözesanstelle Augsburg Tamara Horak und Nicole Sawodny sowie Katharina Schindele, geschäftsführende Bildungsreferentin der KLJB Augsburg, gaben zunächst inhaltlichen Input zum Thema nachhaltige Ernährung und forderten anschließend die grauen Zellen der Teilnehmer*innen in einem passenden Jeopardy-Quiz. Für jede richtige Antwort gab es eine bestimmte Punktzahl. Mit den gewonnen Punkten konnten die Teilnehmer anschließend Waren für ein nachhaltiges Drei-Gänge-Menü einkaufen. Der regionale und saisonale Einkauf war dabei günstiger. Jetzt im Sommer sind zum Beispiel Tomaten und Gurken perfekt, Getreide kostete weniger als Fleisch.

Wer beim Quiz wusste wie viele Kilogramm Fleisch Menschen in Deutschland durchschnittlich pro Jahr verzehren, gewann 100 Punkte für die richtige Antwort 60 kg. Ein besonderes Highlight war die letzte Runde des Quiz – eine Blindverkostung. Wer Knoblauch, Ingwer, Qumquat und Co. richtig erkannte, konnte 1000 Punkte abräumen und sich damit die „teuersten“ Lebensmittel erkaufen.  Lukas Hofmann aus der Ortsgruppe Stöttwang freute sich über viele neue Informationen: „Ein Aha-Moment war für mich die Info, wie viele essbare Lebensmittel eigentlich weggeworfen werden. Das ist viel zu viel. Das Thema war mir durchaus bewusst, jedoch nicht in diesem Umfang, wie wir es jetzt erfahren durften.“ Und genau darum ging es auch. Viele Dinge sind hinlänglich bekannt, gehen aber im Alltagstrott häufig unter. Ein Kochkurs bei der KLJB kann da wachrütteln und zum Nachdenken anregen.

Die Verschwendung – allein in Deutschland schmeißt jede Person pro Jahr durchschnittlich rund 36 kg Obst und Gemüse weg – führt beispielsweise zu der absurden Situation, dass die weltweit produzierten Lebensmittel laut UN bereits heute für die Ernährung von 12 Milliarden Menschen ausreichen würden. Trotzdem sind weltweit schätzungsweise 795 Millionen Menschen von Hunger betroffen.

Damit stand eine weitere Frage im Zentrum des Kochkurses: Wie leisten wir im Alltag einen positiven Beitrag? Auf Regionalität und Saisonalität zu achten, ist mit Sicherheit ein guter Weg. Diesen beschritten also auch die Teilnehmer*innen und machten sich an die Rezeptsuche, um mit den vorhandenen Zutaten und Ressourcen ein leckeres Menu zu entwickeln. Bei Lukas und seiner Gruppe lief das ein wenig anders: „Mein Highlight war, dass wir uns im Team ein Rezept suchen sollten. Das hat bei uns schnell dazu geführt, dass wir ein rezeptfreies Kochen durchgezogen und viel experimentiert haben.“

Und die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Nach dem Kochen in drei Gruppen, wurden die leckeren Speisen verzehrt. Da gab es Pesto aus Radieschengrün, Pizzabrot mit verschiedenen Dips, Fleischbällchen mit Käsekern, Gemüsebratlinge aus Karotte, Ei, Kohlrabi und Zucchini oder Gemüse-Kässpatzen aus Dinkel-Vollkorn-Mehl und sogar ein leckeres Schokofondue mit Obst. „Mir hat das Essen super geschmeckt“, zeigte sich Lukas Hofmann nachhaltig beeindruckt, „von Fleischbällchen mit Käsefüllung über Gemüsepatties bis hin zu den Spätzle ist wirklich alles gelungen.“

Auch nach dem Essen war Nachhaltigkeit angesagt. So wurden die Reste in Marmeladengläsern verpackt und wer wollte, nahm sich etwas mit nach Hause. „Recycling und Verwertung ist ein wichtiges Thema. Daher haben wir das gleich thematisiert und die leckeren Reste hat natürlich jede*r gerne mitgenommen“, erklärte Katharina Schindele. Als weitere Option Reste sinnvoll zu verwerten, stellten die Vorstände die Wurmkompostierung vor. Rund 100 Gramm Biomüll verwerten Würmer pro Woche und wandeln ihn in seine fruchtbaren Bestandteile um. Der entstehende nährstoffreiche Humus ist dann der ideale Nährboden für eigene Pflanzen im Garten.

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