Franzis zweiter Bericht aus Quito

Franzis Einsatz im Collegio Schönstadt

Franzis zweiter Bericht aus Quito
7. November 2012 Simon Steinmayer

Hallo Deutschland,

Schon kommt mein zweiter Bericht aus Ecuador und es gibt einiges zu berichten aber auch
einige Bilder, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Das Colegio Schönstatt – Meine Einsatzstelle

Am Montag nach dem Eingewöhnungstreffen durfte ich dann zum ersten Mal in mein Projekt starten.
Das Colegio Schönstatt liegt am Fuße des Teleférico. Wer sich erinnert, das war der Hausberg
von Quito. Noch in meiner Gastfamilie lebend wurde ich zu meinem „ersten Schultag“ von meiner
Gastmama zur Arbeit gefahren. Den Rest der Woche musste ich dann allerdings „suben – estrujen
– bajen“, heißt auf gut deutsch „einsteigen – quetschen – aussteigen“ eine Stunde oder länger in
den überfüllten Bussen ausharren… Allerdings nur morgens. Gott sei dank. Zum Busfahren später aber noch mehr.

„Mein Arbeitsplatz“

Die erste Woche im Colegio war mit die spannendste in meiner bisherigen Ecuador Zeit. Meine Einsatzstelle in der Schule ist seit meinem ersten Tag der Kindergarten, wo ich die Tías (Tanten) Adriana und Gladis mit den insgesamt 33 drei- bis vierjährigen Kindern unterstütze.
Diese Erfahrung war völlig neu für mich, da ich bisher noch nie mit Kindern gearbeitet habe. Aber was soll ich sagen: In diesen 5 Wochen, die ich jetzt schon da bin habe ich mich von Tag zu Tag wohler gefühlt. Nach so einem Arbeitstag bin ich meistens ziemlich müde aber es macht mir echt viel Spaß und ich könnte mir gerade nichts Besseres vorstellen als hier in Quito im Kindergarten bei der Arbeit mitzuhelfen.

Hausbesuche

Das Colegio Schönstatt ist nicht einfach nur eine Schule oder ein Kindergarten von 8-16 Uhr,
sondern hier bemüht man sich auch die familiären Umstände der Kindergartenkinder und
jüngsten Schüler kennen zu lernen. So durfte ich also gleich in der ersten Woche bei den
sogenannten Hausbesuchen im Stadtteil „La Comuna“ von Quito mit dabei sein.
La Comuna ist ein recht armes Stadtviertel, in dem auch das Colegio Schönstatt liegt und
aus dem viele Kinder zur Schule kommen. Viele Häuser haben keinen Wasser- oder
Abwasseranschluss und nur wenige Kinder haben eigene Betten, denn auch Möbel gibt es
oft nicht viele.
Ich durfte zusammen mit der Tía Adriana in die Häuser vieler meiner Kinder eintreten und
sehen wie sie leben. Dabei wurden den Kindern dann verschiedene Fragen gestellt um sich
ein Bild von ihrer Familie und ihrem Leben außerhalb der Schule zu machen. Diese Fragen
waren zum Beispiel: Wo in welchem Bett schläfst du, und wer noch?, Hast du viele oder
wenige Freunde?, Spielst du Nachmittags gerne auf der Straße?, Wie oft wirst du gebadet?, Schlagen dich deine Eltern, oder trinken sie Alkohol?, Habt ihr Haustiere?, und noch einige mehr.
Die Lebensumstände vieler Kinder waren sehr viel schlechter, als ich es gedacht hätte. Die Frage nach der häuslichen Gewalt haben fast alle Kinder mit „ja“ beantwortet, dies scheint dort mehr oder weniger selbstverständlich zu sein. Manche Wohnungen sind gut möbliert, haben einen Wasseranschluss, Schlafzimmer und Küche. Es gibt jedoch auch sehr gegensätzliche Beispiele wie zum Beispiel eine 9-köpfige Familie, die auf geschätzt 30 m² wohnt, lebt, isst, kocht und schläft.

TAGESABLAUF

Seit der dritten Schulwoche bleiben alle Kinder ganztags und bekommen neben einem Frühstück und einem Snack auch ein Mittagessen in der Schule. Der Tagesablauf im Kindergarten sieht in der Regel folgendermaßen aus:
Ankunft und Empfang ist morgens um 7.45 Uhr. Am Montag kommen alle Schüler und[nbsp] Kindergartenkinder in der Schuluniform und auf dem Schulhof gibt es dann eine Begrüßung inklusive Nationalhymne. Danach gehen alle Kindergartenkinder zusammen in den großen Aufenthaltsraum um zu beten, zu singen und mit Gymnastikübungen wach zu werden. Nach einem anschließenden Besuch im Bad, welches wir am Tag sowieso ziemlich oft besuchen, gibt es dann im Speisesaal eine heiße Schokolade oder sonstige „Coladas“ mit Brot. Hierbei helfe ich, dass die Kinder austrinken und mache anschließend Tische, Bänke und Boden sauber. Meistens begleitet von vielen Aufforderungen „trink deine Colada“, „iss dein Brot“ und „verschütte nichts“.

„Los Días de la Semana – Wochentage lernen“

Dann steht die erste Arbeitsphase für die Kinder an, in der sie das Datum und die Wochentage lernen oder zum
Beispiel ihren Namen auf verschiedenste Weisen identifizieren oder nachmalen müssen. Außerdem gibt es noch weitere Einheiten mit anderen „Tías“ zum Beispiel Gymnastik, Sexualerziehung, Englisch oder Computerkurs.
Kurz vor dem Mittagessen bereite ich den Aufenthaltsraum vor, indem ich die Matratzen bereitlege und mit Bezügen
überziehe, da die Kinder später einen Mittagsschlaf machen werden. Dann wird vor dem Mittagessen, natürlich noch
einmal ein Besuch im Bad abgestattet. Zum Mittagessen gibt es Suppe und anschließend Reis, Nudeln oder Kartoffeln meistens mit Huhn oder Fisch. Ich bin wieder fürs Aufräumen und manchmal auch Füttern zuständig und eigentlich unterscheidet sich mein Vokabelgebrauch wenig von dem am Vormittag beim Frühstück.

„El Salón – Das Klassenzimmer“

Nach dem Essen putzen sich zuerst alle Kinder die Zähne und halten danach ihren Mittagsschlaf. Wenn endlich alle Kinder eingeschlafen sind, dürfen auch wir „Tías“ essen und Pause machen, bis die ersten wieder aufwachen. Den restlichen Nachmittag verbringen wir sehr entspannt mit puzzeln, Memory, Domino, Lego und anderen Spielen für die Kinder.
Kurz vor Schluss liest die Tía eine kurze Geschichte oder ein Märchen vor. Dabei bessere ich mein Spanisch ein bisschen auf und schreibe mir ein paar Vokabeln mit. Nach dem letzten Besuch im Speisesaal, wo die Kinder
noch einen Saft bekommen, werden sie um 15.40 von ihren Eltern oder Geschwistern, die auch hier zur Schule
gehen, abgeholt.

Englischunterricht

Seit Mittwoch 10.10. gebe ich auch Englischunterricht in der 1. und 2. Klasse, also bei den 5-7-jährigen. Nach bisher fünf Unterrichtsstunden von je 40 Minuten muss ich mich immer noch an die völlig ungewohnte Position als Lehrerin gewöhnen. Oft ist im Klassenzimmer geräuschmäßig die Hölle los und die Klassenlehrerinnen müssen regelmäßig für Ruhe im Saal sorgen, damit ich mit meinem Unterricht weiter machen kann. Wegen dem mangelnden Spanisch und fehlender Autorität schaff ich das leider noch nicht alleine. Der Unterricht besteht zum größten Teil aus Liedern um
spielerisch Sätze wie „What is your name?“ – „My name is!!“ oder „How are you?“ – „I´m fine, thank you!“ zu lernen. Von Stunde zu Stunde erziele ich dabei nur kleine Erfolge und freue mich immer über Schüler, die sich die Antwort auf „What is your name?“ merken können.

Viele liebe Grüße
Franzi

Wer noch mehr über Franzis Wohnung und ihrer Freizeitaktivitäten in Equador erfahren möchte kann das in ihrem vollständigen Bericht nachlesen, den ihr mit folgendem Link herunterladen könnt.

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