01.10.2017 14:00 von Yannick Wingenfeld

Persönliches Leitwort: Zu den Menschen

Was ist eigentlich religiös-spirituelle Berufung? Wie funktioniert Berufung? Wie bekommt man mit, dass man berufen wird? Und woher weiß man, wozu man berufen ist? Bei Moses soll es laut Altem Testament ein brennender Dornbusch gewesen sein, durch den Gott zu ihm sprach. Maria bekam Besuch von einem Engel.

 

Berufung als Prozess

 

Und Florian Stadlmayr? Woher wusste er, dass er berufen ist, Priester zu werden? Engel, brennende Gewächse oder auch Visionen sind bei dem 30-Jährigen nicht im Spiel gewesen. Es gab auch nicht dieses eine punktuelle Erlebnis, mit dem dann alles anders wurde. Bei Florian war es eine Entwicklung. „Für mich war es ein lebenslanger Prozess, der bereits in meinem Elternhaus angefangen hat.“ Er wächst in einem christlich geprägten Haus auf, den Eltern liegt viel daran, dass die Kinder sonntags zur Messe gehen. Florian ist schon als Kind gerne in den Gottesdienst gegangen. „Mir hat es einfach gefallen, was der Pfarrer da vorne macht; auch wenn ich es als Kind noch nicht verstanden habe. Ich war fasziniert von dem, was da passiert. Das Optische, die Musik, das hat mich begeistert. Damit wurde der Grundstein gelegt.“

 

Der Grundstein dafür, dass Stadlmayr nun katholische Theologie im zehnten Semester studiert, im Priesterseminar in Augsburg lebt und in zwei Jahren die Weihe zum Priester empfängt. Und wie war das nochmal mit der Berufung? – Eine allgemeingültige Erklärung gibt es da vermutlich nicht. Florian beschreibt seine persönliche so: „Berufung ist ein Gefühl, dass jemand mich an seine Stelle ruft. Ich habe gemerkt, dieser Gedanke, ich könnte Priester sein, am Altar stehen, Seelsorger für die Menschen sein, hat mich mit einer Zufriedenheit und Freude erfüllt. Da habe ich gemerkt, das ist das Meinige. Ich kann gar nicht benennen, wann das kam, aber irgendwann war es da.“

 

Das „K“ war schon immer wichtig

 

Klassisch nach der Erstkommunion wird Florian Ministrant in seinem Wohnort Sanidzell (Kreis Neuburg-Schrobenhausen), doch im Jugendalter wird Kirche weniger interessant. Dann nimmt er 2002 auf Einladung einer Freundin an einem Gruppenleiterkurs teil. Dem folgt eine Einladung zu einem Zeltlager. „Ich dachte mir, jetzt bin ich Gruppenleiter, dann muss ich da ja auch was machen. Also bin ich zum Zeltlager mitgefahren. Und das hat mir richtig gut gefallen.“ Sowohl der Kurs, als auch das Camping werden vom Kreis Neuburg-Schrobenhausen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) organisiert. Was KLJB eigentlich ist, weiß er zu dem Zeitpunkt nicht genau. Als wenig später die Wahlen für das Amt des Kreisvorsitzenden der KLJB stattfinden, lässt er sich aufstellen und wird Kreisvorsitzender. In die Aufgabe und auch in den Verband wächst er schnell hinein. Drei Perioden lang, bis 2008, bleibt er im Kreisvorstand der KLJB Neuburg-Schrobenhausen. Sogar die Gründung der Ortsgruppe Sandizell initiiert er damals. „Während meiner aktiven Verbandsarbeit habe ich gemerkt, dass mir das „K“ der KLJB immer wichtig war. Das religiöse Angebot hat mich immer am meisten angesprochen.“ In dieser Zeit absolviert Stadlmayr die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger im Regens Wagner Zentrum, merkt jedoch bald, dass dies nicht der Beruf ist, zu dem er berufen ist. Der damalige KLJB-Geistliche Christoph Leutgäb lädt Florian ein, ihn zu Exerzitien zu begleiten. „Ich hatte ihm damals nicht gesagt, dass der Gedanke in mir ist, Priester zu werden. Während der Exerzitien habe ich dann gemerkt: ok, das könnte mein Weg sein“, erinnert sich der Seminarist heute. „Eigentlich hatte ich von klein auf den Wunsch, Priester zu werden. Die KLJB war für mich die Plattform, die es mir ermöglicht hat, meinen Glauben zu leben. In der Landjugend kann man sich so verwirklichen, wie man ist.“

 

Die KLJB – ein Verband mit Weitblick

 

2008 im Alter von 21 Jahren tritt er ins Spätberufenenseminar St. Matthias in Wolfratshausen ein, holt das Abitur nach und wird mit dem Beginn des Theologiestudiums 2012 Priesteramtskandidat für die Diözese Augsburg. Im September begann sein Pastoralpraktikum in der Pfarreiengemeinschaft Dillingen, 2018 findet die Diakonenweihe statt und im Juni 2019 folgt schließlich die Priesterweihe. Dann ist der Sanidzeller nach über 10 Jahren Vorbereitungsweg richtig, echter Priester. „Ich habe keine Angst, aber Respekt vor den anstehenden Aufgaben und Herausforderungen. Aber die Freude überwiegt. Die innere Zufriedenheit darüber, dass es auf das Ziel eines langen Wegs hinzugeht.“ Ob im Beruf oder auch im Ehrenamt, Florian möchte seine Kraft und Fähigkeiten dazu einsetzen, zu den Menschen zu gehen, für sie da zu sein und ihnen den christlichen Glauben näher zu bringen. „Bei der KLJB habe ich gemerkt, dass Jugendliche, Menschen generell, so verschieden sind. Die KLJB-Mitglieder sind so bunt, aber letzten Endes kann man doch alle unter dem Namen KLJB vereinen. Für den einen ist das „K“ wichtiger, für den anderen die Bildungsarbeit, für den Dritten das agrarsoziale Engagement. Das finde ich, ist das Tolle bei der KLJB, dass der Verband nicht auf einen Punkt fokussiert ist, sondern dass er einen Weitblick hat, mit dem er verschiedene Interessen erreicht. Diesen Weitblick möchte ich in meinem zukünftigen priesterlichen Leben auch beachten. Und jedem Menschen Gott näherbringen“, sagt Florian Stadlmayr.

 

„Zu den Menschen“ möchte er gehen und so lautet auch sein Persönliches Leitwort. Gleich welche Fähigkeiten, Interessen, Talente oder auch Schwächen oder Gebrechen sie haben, erklärt er. Und diese Einstellung ist auf jeden Fall eine echte Berufung.

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