22.10.2017 14:00 von Yannick Wingenfeld

Ich glaube, ich hätte meinen Glauben sonst nicht halten können

„Sieben ist irgendwie eine magische Zahl bei mir“, sagt Stefan Schneid und lacht. Sieben Jahre lang ist der 45jährige Gemeindereferent geistlicher Begleiter für die Dekanatsjugend in Dillingen gewesen. In diesen sieben Jahren war er hauptamtlich auch für die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) im Kreis Dillingen verantwortlich. Sieben Jahre lang hat auch sein ehrenamtliches Engagement bei der KLJB angedauert. Sollte sich die Sieben weiterziehen, bleibt er bis 2023 Gemeindereferent bei Regens Wagner Dillingen.

 

„Jesus hat sich speziell den Menschen mit Gebrechen zugewandt“

 

Seit September vergangenen Jahres arbeitet Stefan Schneid als Gemeindereferent in dem Zentrum für Menschen mit Behinderung. Seine Hauptaufgabe ist „religiöses Leben in der Einrichtung zu ermöglichen.“ Konkret bedeutet das: die Bewohner seelsorgerisch begleiten, die Gottesdienste der Wohngruppen unterstützen und gestalten, die Mitarbeiter der Einrichtung schulen, damit diese in den Wohn- und Arbeitsgruppen religiöse Angebote schaffen können. Derselbe Job also, den ein Gemeindereferent in einer Pfarrei hat. „Wie in einer Pfarrei der Pfarrgemeinderat da ist, arbeite ich mit einem Seelsorgeteam zusammen. Mein Job ist der Pfarreiarbeit sehr ähnlich.“ Stefan Schneid jedoch ist eigens für das Regens Wagner Zentrum in Dillingen verantwortlich. „Jesus hatte sich spezielle Menschen mit Gebrechen zugewandt. Damals wie heute benötigen Menschen mit Behinderung eine intensivere Betreuung“, erläutert er, daher – und weil Regens Wagner mit mehr als 1.800 Betreuten eine der größten Behinderteneinrichtungen in der Diözese ist – stellt das Bistum Augsburg eigens einen Gemeindereferenten für Regens Wagner zur Verfügung. „Der Job ist genau das, was ich immer machen wollte“, sagt der Bachhagler, der nach dem Realschulabschluss zunächst eine Lehre zum Bankkaufmann abschloss.

 

Einen offenen lebendigen Glauben erfahren

 

Im Anschluss an die Lehre stand der Zivildienst an. Den absolvierte er vor 24 Jahren tatsächlich in seiner heutigen Dienststelle. „Durch den Zivildienst bei Regens Wagner habe ich gemerkt, dass man auch anders als in der Bank arbeiten kann. Zeitgleich war die KLJB damals sehr prägend für mich. Durch diese beiden Stränge bin ich zu dem Entschluss gekommen, doch noch etwas Neues zu machen.“ Schon aus Kindertagen kannte Stefan Schneid den Jugendverband; im Alter von 15 oder 16 Jahren ist er dann der Ortsgruppe Bachhagel beigetreten, bald wurde er auch auf Kreisebene aktiv. Eben sieben Jahre lang; zwei davon sogar als Vorsitzender. „Durch die Arbeit in und mit der KLJB habe ich einen offenen, lebendigen Glauben erfahren“, erinnert er sich. Zu Hause und in der Ortsgemeinde wurde Glaube sehr traditionell gelebt. „Ich bin sehr streng erzogen worden, da war es sehr befreiend, bei der Landjugend einen offenen, freien Glauben mit einem liebenden Gott kennenzulernen. Ich glaube, ich hätte meinen Glauben sonst nicht halten können.“

 

zu neuen Ufern…

 

Nicht nur hinsichtlich der Spiritualität, sondern auch bezüglich des beruflichen Werdegangs regte der Jugendverband Schneid zu neuen Ufern an. „Sich weiterentwickeln, sich auch mal was trauen, das habe ich bei der KLJB erfahren. Das positive Verständnis von Selbstverwirklichung also.“ Nach dem Zivildienst ging er zurück in die Bank, doch nach nur vier Wochen ist er entschlossen: er möchte Gemeindereferent werden oder im Sozialbereich arbeiten. Das bedeutete aber auch, die Bankerkarriere beenden, das Abitur nachholen und studieren. Diesen Entschluss zu fassen, fällt ihm nicht leicht: „ich war so erzogen, das durchzuziehen, was man angefangen hat. Für meine Familie war es daher etwas ganz Neues, dass ich das Abitur nachmachen wollte. Doch die Landjugend-Freunde und die Erfahrungen, die ich bei der KLJB machen durfte, haben mich dazu ermutigt.“ Mit 23 Jahren beginnt er das Studium der Religionspädagogik und Kirchlichen Bildungsarbeit in Eichstätt. Sein Ehrenamt als Kreisrundenvorsitzender von Dillingen behält er in den ersten Studienjahren bei.

 

Das Programm des KLJB-Kreises Dillingen ist in den 90er Jahren sehr intensiv und umfangreich: vier bis fünf Arbeitskreise gibt es auf Kreisebene, die Kreisrunde trifft sich einmal im Monat, jährlich gibt es ein gemeinsames Klausurwochenende und sogar eine eigene Kreiszeitschrift, „Das Netz“, wird herausgegeben. Die Mischung aus Bildungsarbeit, Freizeit und Spirituellem findet Stefan toll – und natürlich die Kontakte und Freundschaften. „Die gemeinsam verbrachten Wochenenden sind mir als das Schönste der Landjugendzeit in Erinnerung geblieben. Die Mischung aus Bildung, Gemeinschaft, der Persönlichkeitsbildung, das gute Miteinander, das Kennenlernen interessanter Leute war das Schönste“, sagt er heute in Erinnerung an seine aktive KLJB-Zeit.

 

Im Jahr 1997, als er ins Jahrespraktikum nach Schongau geht, legt er nach sieben Jahren sein Ehrenamt nieder. „Da war dann ein Punkt erreicht, an dem es gut war aufzuhören.“ Doch der Jugendarbeit bleibt er erhalten, zunächst im Assistenzjahr in Burgau und dann ab 2009 als Geistlicher Begleiter für die Jugend im Dekanat Dillingen.

 

Neue Zugänge zum Glauben schaffen

 

Und was hat er aus seiner KLJB-Zeit mitgenommen? „Die Methoden, mit denen ich lebendigen Glauben vermittle. Lebensfeiern fand ich damals schon toll und die wende ich heute auch noch an. Auch bei uns gehen die jungen Erwachsenen nicht alle begeistert zum Gottesdienst. Daher bemühe ich mich – wie in der Jugendarbeit – interessante, neue Zugänge zu schaffen.“ So hat er erst kürzlich für die Mitarbeiter bei Regens Wagner eine Fortbildung zum Thema „Lebensfeier“ angeboten.

 

Den Landjugendlichen von heute wünscht er, die Erfahrungen zu machen, dass man Freundschaften knüpft, die einen ein Leben lang begleiten. „Das ist für mich das größte Geschenk meiner KLJB-Zeit.“ Und außerdem viel Mut bei der Gestaltung des religiösen Angebots, denn Jugendliche bekämen heute mehr Gegenwind als früher, wenn es um Spirituelles ginge.

 

„Man kann zwar darüber jammern, dass die KLJB früher mehr spirituelles Angebot hatte, aber die KLJB ist innerhalb der Kirche immer noch ein Träger, der Jugendliche mobilisiert und auch zu Gottesdiensten bewegt.“ Zum Beispiel zur jährlichen Jugendosternacht, die von dem KLJB-Kreis Dillingen organisiert wird – eine Veranstaltung, die seit den 90er Jahren nicht nur Jugendliche und ehemalige KLJBler, wie Stefan Schneid, in eine der vielen schönen Kirchen im Kreis Dillingen zieht.

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